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"Mutter Gottes im Wasser"

Ein Sinnbild für Mutterliebe findet man zwischen Brakel und Nieheim, die „Mutter Gottes im Wasser“. Der Heberbach wird zu einem Teich gestaut, in dessen Mitte auf einer Insel die Heiligenfigur "Mutter Gottes im Wasser" steht.

Die Geschichte der "Mutter Gottes im Wasser"

Die ursprüngliche Mariendarstellung im Bereich der heutigen "Mutter Gottes im Wasser" war im Gegensatz zur heutigen keine figürliche. Es handelte sich vielmehr um einen Bildstock. Dieser wurde in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts am Heberbach aufgestellt nahe der Stelle, an der die "Mutter Gottes im Wasser" heute steht. Damals gab es allerdings die Ostwestfalenstraße noch nicht. Es wird vermutet, dass der Bildstock auf der anderen Seite der heutigen Bundesstraße 252 bachabwärts seinen Standort hatte.

Es handelte sich um eine Stiftung. Grund dafür war die Erkrankung von Gräfin Franziska von Bocholtz-Asseburg im Jahr 1861. Einer ihrer Söhne war auf einer Reise Richtung Paris. Am Rhein erhielt er die Nachricht über die Erkrankung. Er gelobte die Aufstellung eines Bildstocks, sollte sie genesen. Das Gebet des Sohnes fand Erhörung: Die Kranke erholte sich und lebte noch weitere 18 Jahre. Glücklich darüber erfüllte der Graf sein Versprechen. Er ließ, nachdem er in die Heimat zurückgekehrt war, den Marienbildstock mit der deutschen Inschrift: "Tröste die Herzen, lind´re die Schmerzen, hilf uns, hilf uns, Maria!" an dieser Stelle errichten. Dieser Bildstock ging jedoch verloren - wie und warum, darüber ist nichts bekannt. Eine neue Figur kam an die Stelle des Bildstocks. Auch hier ist nicht bekannt, wer sie gestaltet hat.

Als mit dem Bau der Ostwestfalenstraße begonnen wurde, wurde die gesamte Anlage an ihrem heutigen Standort 1971 mit Unterstützung des damaligen Heimat- und Verkehrsvereins Brakel errichtet, die Figur zog an den neuen Standort und wurde erneuert. Das Wasser des Heberbachs wird dort nach dem Wasserbecken über sieben Stufen abgeleitet. Das ist auch heute noch so.

Doch der Zahn der Zeit hatte der Marienfigur erheblich zugesetzt. Anfang Dezember 2025 wurde sie durch die nun zweite "Mutter Gottes im Wasser" ersetzt. Erneut ist es eine so genannte „Muttergottes mit sieben Schwertern“, die ihre Brust durchbohren. Diese symbolisieren die Leiden Marias: Schwangerschaft, uneheliche Mutterschaft, Armut, Flüchtlingselend, Witwendasein, Unverständnis bis zur Zurückweisung durch den Sohn und schließlich der schreckliche Tod des Kindes.
Die erste Muttergottes-Statue wurde gesäubert und erneuert. Sie findet ihren Platz in der Schneekapelle im Hinnenburger Wald, einer Marienkapelle unweit der Hinnenburg am höchsten Punkt des Holsterberges.

Die Renovierung

Dass die "Mutter Gottes im Wasser" mit viel Liebe, Können und Sachverstand in dem heutigen Zustand ist, ist dem Brakeler Steuerberater Friedrich Lohmann zu verdanken. Zeit seines Lebens fühlte er sich den Frauen der heiligen Familie besonders verbunden. So ließ er die Figur der heiligen Anna restaurieren, die jährlich am Brakeler Annentag in einer feierlichen Prozession von dieser Michaelskirche zur Annenkapelle getragen wird. Er war selbst einer der Annenträger, ein sichtbares Zeichen seiner Hingabe und Verwurzelung im Glauben. Mit Freunden ermöglichte er die Finanzierung der neuen Glocke und die Sanierung der Brakeler Annenkapelle zum Jubiläum ihrer Einweihung vor 300 Jahren im Jahr 2019.
Sein letzter großer Wunsch war die Restaurierung der „Mutter Gottes im Wasser“ an der Ostwestfalenstraße. Dieser Platz war ihm besonders wichtig. Angefangen hatte es damit, dass er selbst – ausgestattet mit einer einfachen dreizackigen Gartenharke – mit dem Fahrrad dorthin fuhr und das Gelände pflegte. Dieser unscheinbare Beginn war Ausdruck seines persönlichen Engagements. Daraus erwuchs der Wunsch, die Statue restaurieren zu lassen und das Gelände neu zu gestalten.

Dies war sein Vermächtnis, dessen Umsetzung er nicht mehr erleben konnte. Friedrich Lohmann verstarb am 14. August 2025. Dr. Josef Lammers und Ferdinand Henkenius hatte er dazu bestimmt, die Erfüllung seines Vermächtnisses zu überwachen, für dessen Finanzierung er Sorge trug. Dem Wunsch folgend bat die Familie zur Beerdigung des Verstorbenen statt zugedachter Blumengrüße um eine Spende zur Sanierung der "Mutter Gottes im Wasser". Der Lions-Club Brakel, dessen Mitglied Friedrich Lohmann war, hatte zu diesem Zweck ein Spendenkonto eingerichtet. Diese erfolgte: Unter anderem wurde der Wasserlauf gereinigt. Das Becken, in dem die Mutter Gottes steht, wurde fachgerecht saniert, die Steine gründlich gereinigt. Es wurde ein neuer Sockel gefertigt, auf dem die neue Figur steht. Erschaffen hat sie die Steinbildhauerin Kristina Jäkel-Stickeln vom Natursteinwerk Jäkel aus Wrexen. Das gesamte Gelände wurde umgestaltet und aufgewertet. Eine große Hilfe war hierbei der Brakeler Maurer und Betonbauer Rudi Stender.

Asseburger Heiligenbilder

Die "Mutter Gottes im Wasser" ist Teil der Assburger Heiligenbilder. Graf Dietrich von Bocholtz-Asseburg und sein Frau Wilhelmine haben in den 1850er Jahren einen Ring von Heiligenfiguren um die Burg angelegt. Dabei handelt es sich neben der Mutter Gorttes um die Antoniusfigur auf der Kuppe der Brunnenallee, einen Bildstock unterhalb der Hinnenburg zu Ehren der heiligen Anna, den Hubertusbildstock im Hinnenburger Wald, den „Theodor“ am Ende des Heinefelder Weges und den Wilhelmus“, der nördlich der Kunstmühle gestanden hatte und heute auf der Schäferhofbrücke zu finden ist. Zu dem Ensemble hatte auch eine nicht mehr vorhandene Nepomukfigur gehört, die auf der Schäferhofbrücke ihren Platz hatte.