Inhalt
Datum: 08.09.2017

Optimierung der Wasserqualität

"Die Renaturierung der Nethe am Trompetersprung mit einer Projektfläche von 1,7 Hektar ist die zur Zeit größte realisierte Maßnahme innerhalb des Kreises Höxter. Dieses interessante ökologische Gewässerkonzept dient der Verbesserung und Optimierung der Wasserqualität und der Wiederherstellung der Natürlichkeit des Flusses", berichtete Bürgermeister Hermann Temme bei einem Ortstermin mit allen Projektbeteiligten in Rheder.

Christof Münstermann, zuständig für das Sachgebiet Gewässer bei der Stadt Brakel, erklärte, dass die Stadt mit dieser Maßnahme ihrer Verpflichtung zur Verbesserung der Gewässergüte entsprechend der europäischen Wasserrahmenrichtlinie folge. Im Jahr 2010 wurde der Standort der Renaturierungs-Maßnahme im Rahmen eines übergeordneten Maßnahmen-Konzeptes für alle Gewässer im Kreis Höxter festgelegt und bereits in 2011 erfolgten die ersten Planungsschritte. Parallel wurde durch das Dezernat „Ländliche Entwicklung und Bodenordnung“ der Bezirksregierung Detmold zur Bereitstellung der Flächen eine kleinere Flurbereinigung geführt und erfolgreich abgeschlossen. Rainer Runte vom Dezernat Ländliche Entwicklung lobte die gute Zusammenarbeit mit den Grundstückseignern, die entsprechende Ersatzgrundstücke im Austausch erhielten. Die endgültige wasserrechtliche Genehmigung durch den Kreis Höxter erfolgte im Januar diesen Jahres, sodass Ende Augst 2017 mit den Arbeiten begonnen werden konnte. Ziel des Projektes ist es, das Gewässer nach Abschluss der Maßnahme ökologisch aufzuwerten, so Münstermann weiter.  Kai Otte-Witte, IWUD Ingenieure für Wasser, Umwelt und Datenverarbeitung GmbH in Höxter, zuständig für die Genehmigungsplanung, erläuterte anschließend die Einzelmaßnahmen, wie die Profilierung von Gewässerschlingen, eines Altarmes und zwei sogenannter Blänken (Wasserflächen, die sich bei höheren Wasserständen der Nethe füllen) und die teilweise Abflachung der Ufer. 5.000 Quadratmeter neue Gewässerfläche wird entstehen, fast 7000 Kubikmeter Boden müssen dafür bewegt werden (rund 700 LKW-Ladungen). Als Abschluss der Maßnahme werden Initialpflanzungen von standortgerechten Gehölzen erfolgen. Bruthöhlen für Fledermäuse konnten zwischenzeitlich bereits fertiggestellt werden. Die Landschaftspflegerische Projektbegleitung obliegt der Landschaftsarchitektin Sabine Turk aus Brakel-Siddessen sowie der Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V. und die Bauleitung den IWUD Ingenieuren für Wasser, Umwelt und Datenverarbeitung GmbH, Höxter. Die bauliche Ausführung erfolgt durch die Firma Erdbau Hake aus Beverungen.

Dr. Burkhard Beinlich von der Landschaftsstation im Kreis Höxter e.V. sieht in dieser Maßnahme große Vorteile für die Nethe als geschützten Lebensraum. Die Fischfauna wird von der Renaturierungsmaßnahme stark profitieren, da zusätzliche Laichbänke angelegt werden. Die hier stark zurückgegangenen Bestände der Äsche können sich beispielsweise nur erholen, wenn genügend Laichbänke aus entsprechendem Kiesmaterial für das Laichgeschäft dieser lachsartigen Fische zur Verfügung stehen.

Die Fertigstellung ist für das Frühjahr 2018 geplant, die Gesamtkosten liegen bei 297.000 Euro, bezuschusst mit 80 Prozent durch das Land Nordrhein-Westfalen.

Freuen sich über das Projekt: Carsten Arentz (Bezirksverwaltungsstellenleiter Rheder), Johannes Bröker (Ortsheimatpfleger), Kai Otte-Witte (Geschäftsführer der IWUD Ingenieure für Wasser, Umwelt und Datenverarbeitung GmbH, Höxter), Frank Grawe (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Dr. Burkhard Beinlich (Landschaftsstation im Kreis Höxter e. V.), Bürgermeister Hermann Temme, Rainer Runte (Bezirksregierung Detmold, Dezernat Ländliche Entwicklung, Bodenordnung), Christof Münstermann (Stadt Brakel, Sachgebiet Gewässer) und Dominik Schlenhardt (Abteilungsleiter Fachbereich Finanzen)

Die Sage zum "Trompetersprung"

Der Trompetersprung, eine abschüssige Felswand oberhalb der Nethe in Richtung Brakel, wird im Volksmund mit einer Sage aus dem Dreißigjährigen Krieg verbunden. Ein von Adolf Freiherr Spiegel von und zu Peckelsheim gestifteter Gedenkstein mit Bronzeplatte wurde an dieser Stelle errichtet. Die Sage lautet:

In jener Zeit, da Raub und Haß und Schwert,
Dreimal zehn Jahre das Deutsche Vaterland verheert
Da lebt in Rheders stiller Hütte
Ein Mann in seiner Kindermitte,
Der Behler hieß, der redlich und mit Fleiß
Die seinen nährt, er war ein bied´rer Greis.
Einst riß ihn aus der Gattin Arm
Der Feinde wilde Reiterschwarm
Schon stand das Dorf in voller Glut
Vergossen war der Armen Blut.
Als Mann sprach Behler, fleht und bat,
Abwendend klug noch manche böse Tat.
Da ward ihm Feind der schwarzen Taten schwärzester Täter,
Ein Bösewicht, er dient dem Feinde als Trompeter.
Sein Harnisch deckt ein Tigerherz.
Raub ward ihm Lust und Morden Scherz.
Voll Wut griff er des Greises Hand
Und an des Rosses Schweif ihn band
Als wollt er ihn zur größ´ren Qual
Totschleifen über Berg und Tal.
Doch plötzlich wärmte Jünglingsblut
Des braven alten Landmanns Mut.
Er riß sich los mit starker Hand
Und hier an diesem Abgrundsrand,
Stieß er hinab mit kräft´gem Stoß
Den Wüterich und sein schnaubend Roß.
So ward der kühne Mut des Mannes höchster Schatz
Durch ihn geweiht, heißt noch "Trompetersprung" der Platz.
Oft, in stiller Mitternacht,
Wenn hier der Wand´rer einsam wacht,
Wenn horchend holden Nachtigallen
Er auch der Welle lauscht, die sich am Felsen bricht,
Dann hört er banges Sterbelallen
Es ist der Geist von jenem Bösewicht
Oft klingt es wie Trompetenklang
Und oft wie Uhu´s Grabgesang.

Das Gedicht stammt von Pfarrer Joh. Franziskus Springer († 1814).