Startschuss für das Bildungshaus "NaturLandJagd"
Bildungsangebote bringen Zugang zur Kulturlandschaft des Kreises Höxter
Entstanden aus einer Idee sei es ein einmaliges Projekt, welches nun verwirklicht werden könne, erklärte der erste Vorsitzende des Trägervereins "Bildungshaus Modexen e.V." Friedrich-Karl Fimmel bei der Übergabe des Förderbescheides. Im Juli 2018 habe sich der Trägerverein „Bildungshaus Modexen e.V.“ gegründet. "Dass die drei Interessengemeinschaften Naturschutz, Landwirtschaft und Jägerschaft in einer Institution vereint werden konnten, ist wohl einmalig und in dieser Form noch nicht verwirklicht worden", so der Vorsitzende weiter. Er richtet seinen besonderen Dank an die LEADER-Regionalmanagerin Christiane Sasse und an Verena Potthast von der Stadt Brakel, die mit ihrem großen persönlichen Einsatz zum Erfolg des Projektes maßgeblich beigetragen haben. Inhaltlich werde ein besonders innovativer Ansatz verfolgt, der in Nordrhein-Westfalen eine beispielhafte Vorreiterrolle einnehme, da die drei ehrenamtlich agierenden Fachgebiete Jagd, Naturschutz und Landwirtschaft über einen LEADER-Thementisch zusammengeführt werden konnten und zum Wohle "Aller" im Kreis Höxter zusammenarbeiten.
Das sei auch der Grund für die immens hohe Förderung, erklärte die Regierungspräsidentin Marianne Thomann-Stahl, denn das Bildungshaus in Modexen stelle ein singuläres Projekt in Nordrhein-Westfalen dar. "Dieses Geld ist gerade vor dem Hintergrund der Kinder- und Jugendbildung hier in Modexen bestens angelegt", betonte die Regierungspräsidentin, denn in der zunehmend digitalen Welt solle die Nähe zur Natur unbedingt gefördert werden. Sie bedankte sich ebenfalls bei den vielen ehrenamtlich Tätigen der Walderlebnisschule Modexen, deren Einsatz unbezahlbar sei.
Dr. Burkhard Beinlich, der ebenfalls dem Vorstand des Vereins angehört, erläuterte anschließend die Ziele, die sich die einzelnen Partner in enger Zusammenarbeit gesetzt haben. Vor allem durch Kinder und Jugendliche (Kindergärten und Schulklassen), aber auch Erwachsene mit unterschiedlichsten Bildungs- und Berufshintergründen soll das Bildungshaus künftig genutzt werden. Ziel sei es, durch die verschiedenen Bildungsangebote den Teilnehmerinnen und Teilnehmern einen Zugang zur Kulturlandschaft und deren nachhaltiger Nutzung zu vermitteln. Neben altersgruppenspezifischen Angeboten werde aber auch dem generationenübergreifenden Lernen Raum geboten, wie beispielsweise Großeltern mit ihren Enkeln. Besondere Angebote seien auf die Inklusion sowie den interkulturellen Austausch als Integration von Flüchtlingen und Zuwanderern ausgerichtet. Das Bildungshaus öffne seine Türen aber ebenso für Verbände, Vereine, öffentliche Einrichtungen und Institutionen. Die Einrichtung stehe auch Unternehmen und Einzelpersonen zur Verfügung, entscheidend für die Nutzungsmöglichkeit sei, dass die Veranstaltungen den Zielsetzungen des Bildungshauses entsprechen und mit der Satzung des Trägervereins konform seien. "Die Menschen sollen hier etwas mitnehmen, ihnen soll bewusst werden, welchen besonderen "Schatz" unser Kulturland darstellt, so Dr. Beinlich abschließend.
Auch Landrat Friedhelm Spieker ist sehr dankbar für diese hohe Förderung aus dem LEADER-Programm, die dem ländlichen Raum weiteres Entwicklungspotential biete und ein Leuchtturmprojekt für den gesamten Kreis Höxter bedeute. Bereits durch die Walderlebnisschule habe man die ersten Weichen gestellt, Kindern die Natur wieder näher zu bringen, mit diesem Projekt können diese Zielsetzungen nun weiter verfolgt werden. Auch der Höxteraner Kreistag habe zur Unterstützung des Projektes den einstimmigen Beschluss gefasst, einen jährlichen Betriebskostenzuschuss von bis zu 30.000 Euro für das Bildungshaus zu gewähren.
Brakels Bürgermeister Hermann Temme sieht hier ebenfalls eine weitere wichtige Investition in die Nachhaltigkeit, denn Umweltschutz und Klimaschutz haben in Brakel oberste Priorität. Bereits zum vierten Mal konnte die Stadt Brakel Mittel aus dem EU-LEADER-Programm erhalten, beispielsweise für die Projekte AnnaVision, Barrierefreie Jugendfreizeitstätte und den Ludowinengarten Bökendorf. Auch richtet er seinen Dank an die NRW-Stiftung, die den 35-prozentigen Eigenanteil des gut 750.000 Euro Vorhabens in Modexen zur Verfügung stellt. "Ohne die hohen LEADER-Mittel und die zusätzliche Förderung durch die NRW-Stiftung, wäre es uns nicht möglich, derartige Projekte hier im ländlichen Raum zu realisieren", so Temme weiter.
Die Architektin Susanne Krekeler stellte die Planungen für das neue Bildungshaus vor, das optimal in die Landschaft eingepasst werde. Beide Etagen des Hauses seien barrierefrei erreichbar und die großen Fensterfronten und der umlaufende Balkon ermöglichen einen unvergesslichen Rundumblick in die Natur. Jetzt werde mit den Ausschreibungen begonnen, der Baubeginn sei dann witterungsabhängig für das kommende Jahr geplant.
Kosten und Förderung durch LEADER und NRW-Stiftung
Laut der Kostenberechnung entstehen für den Bau des Bildungshauses Gesamtkosten in Höhe von 757.629,98 €. Neben LEADER konnte auch die NRW-Stiftung für das Projekt begeistert werden. Diese fördert das Projekt mit einer Zuwendung in Höhe von 265.000,00 €. Der Förderbescheid wurde dem Trägerverein bereits am 08.05.2019 durch Herrn Eckhard Uhlenberg, Präsident der NRW-Stiftung, persönlich übergeben. Heute überreichte die Regierungspräsidentin den LEADER-Förderbescheid über 65 Prozent der Gesamtkosten in Höhe von 492.414,00 Euro.
Planungen und weitere Infos
Das neue Bildungshaus wird durch räumliche und technische Mittel einer modernen und nachhaltigen Kulturland-Bildung sowie der großen Nachfrage durch Schulklassen und Kindergärten dem gesamten Kreis Höxter gerecht werden. Damit sich das Gebäude harmonisch in das vorhandene Ensemble aus Remise und altem Forsthaus einfügt, wird es auf bereits versiegelter Fläche in eine leichte Hanglage im Winkel zwischen den beiden Gebäuden erbaut. Dafür ist der Abriss einer alten Doppelgarage nötig. Im Erdgeschoss wird ein offener großzügiger Raum mit Glasfront für die Bildungsarbeit geschaffen. Der Eingang in das Erdgeschoss erfolgt ebenerdig und barrierefrei. Das Untergeschoss erreicht man ebenfalls barrierefrei über eine Rampe, die das leichte Gefälle abfängt. Das Herzstück des Untergeschosses befindet sich hinter einer Schiebetür: die 41,5 m² große Küche mit Glasfront und Blick ins Grüne. Durch die Öffnungen der Glastüren kann das gemeinsame Speisen spontan nach Draußen verlegt werden (Sommerküche). Die Küche dient für die Selbstversorgung von Gruppen aber auch speziell für Kochkurse hinsichtlich Wildverarbeitung, Kräuterkurse und regionaler Produkte. Von der Küche aus gelangt man zum Lager, das zur Aufbewahrung von naturwissenschaftlichen Unterlagen für Recherche- und Eigenstudium sowie zur Lagerung von Jagdutensilien wie Präparaten für die Jagdschulungen, Sammlungen und Literatur dient. Neben der Küche befindet sich zudem eine Bibliothek, in der die Preywisch-Sammlung untergebracht ist. Gleichzeitig wird der Raum als Studierzimmer dienen. Unter- und Erdgeschoss sind im Gebäude durch eine Treppe verbunden.
Das Gebäude ist gefällig in den leichten Hang integriert, wodurch beide Geschosse ohne Treppen, also barrierefrei zu erreichen sind. Das umgebende Gelände ist großräumig und wird für Schulungen/Unterricht genutzt. Die Zuwegung für das Untergeschoss wird hangseitig durch eine Naturstein-Terrassierung abgefangen. Dadurch entstehen gleichzeitig Sitz-, Schulungs- und Aufenthaltsmöglichkeiten.
Bildungsmodule und Außengelände (separates Projekt):
Der grüne Bereich vor der Küche wird später in ehrenamtlicher Arbeit mit Hochbeeten versehen (nicht Bestandteil des Projektes). Die weitere Gestaltung des Außengeländes, als auch die technischen und interaktiven Ausstattungsmodule der Kulturland-Bildung im Erdgeschoss, sind im ersten Schritt der Projektrealisierung aus organisatorischen und zeitlichen Gründen ausgespart worden. Hierzu wird parallel zum Bau des Gebäudes eine Bachelorthesis oder eine wettbewerbsähnliche Seminararbeit durch die Hochschule OWL erarbeitet.