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Datum: 17.03.2025

Filmvorführung des LWL: Westfalen 1933 bis 1945

Der Heimat und Museumsverein Brakel e. V. zeigt in Kooperation mit dem Stadtmuseum Brakel den vom LWL Medienzentrum produzierten Film „Unterm Hakenkreuz“. Die Filmvorführung findet am Dienstag, 25. März 2025 ab 18:00 Uhr im Sitzungssaal “Alte Waage“ in Brakel statt. Alle Interessierten sind herzlich zur Filmvorführung „Unterm Hakenkreuz“ eingeladen. Der Eintritt ist frei.

Mahnende Erinnerung und bewegende Einblicke in die Alltagsgeschichte

Die Film-Dokumentation zeigt den Alltag in Westfalen (1933-1945) und gewährt unmittelbare und bewegende Einblicke in die Alltagsgeschichte der NS-Zeit. Dafür recherchierten die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des LWL-Medienzentrums zwei Jahre lang intensiv in ihrem Filmarchiv und sichteten mehr als 200 private Filmdokumente, die Amateure aus ganz Westfalen-Lippe während der NS-Zeit gedreht haben. Über zwei Jahre hinweg wurden die privaten Amateurfilme aus ganz Westfalen-Lippe gesichtet und analysiert. "Gerade diese privaten Filme sind eine bislang unterschätzte Quelle zur Geschichte des ‚Dritten Reiches‘", erklärt Projekt-Initiator Prof. Dr. Markus Köster, Historiker und Leiter des LWL-Medienzentrums. Die Aufnahmen zeigen nicht nur die Umgestaltung des öffentlichen Lebens durch die NS-Ideologie, sondern auch ihre Infiltration in den privaten Raum. Die private Filmkamera war nicht überall willkommen und daher wurden viele Verbrechen des Regimes nicht aufgezeichnet. „Es ist wichtig, die Erinnerung an diese Zeit wach zu halten und für die zukünftigen Generationen zu sichern“, betont Bürgermeister Hermann Temme. Dieses besondere Filmmaterial, das einzigartige und tiefe Einblicke in das alltägliche Leben der Menschen dokumentiere, sei ein wichtiger Meilenstein gegen das Vergessen, so Temme.

Am Anfang der rund 70-minütigen Dokumentation steht das „private Glück“, welches sich in Familien-, Freizeit- und Urlaubs-Aufnahmen präsentiert. Auch in solchen, oft fast intimen Bildern zeigt sich der schleichende Einbruch des Nationalsozialismus in den Alltag der Menschen. Weitere Filmkapitel widmen sich öffentlichen Festen und Feiern. Anschaulich wird deutlich, wie die Nationalsozialisten traditionelle Schützenfeste und Ehrentage für sich vereinnahmten und neue Jubelfeste etablierten. Auch die Selbstinszenierungen der Partei und ihrer Untergliederungen, wie Hitlerjugend und Reichsarbeitsdienst, sowie Aufmärsche des militarisierten Staates wurden von Filmamateuren in den Fokus genommen. Den bedrückenden Abschluss der Filmdokumentation bilden Aufnahmen vom Krieg im besetzten Europa und in der kriegszerstörten Heimat. Alle Szenen wurden vom LWL-Medienzentrum sorgfältig mit einem Off-Kommentar unterlegt sowie zurückhaltend musikalisch vertont.

Hintergrund:

Seit 1986 sammelt, sichert und erschließt das Bild-, Film-, und Tonarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen das audiovisuelle Erbe der Region. Filmmaterialien aus privaten sowie öffentlichen Quellen findet ihren Weg in das Archiv, wenn diese landeskundliche, wirtschaftliche oder sozialgeschichtliche Aspekte Westfalens veranschaulichen. Jahr für Jahr erweitert das Archiv auch seinen Bestand um aktuelle Dokumentationen aus eigener Produktion. Die Filme der Sammlung des Archivs lagern archivgerecht in Kühlräumen mit reduzierter Luftfeuchtigkeit und werden nach und nach über eine Onlinerecherche sowie den YouTube-Kanal „Westfalen im Film“ der Öffentlichkeit zugänglich gemacht.

Zur Präsentation „Unterm Hakenkreuz. Westfalen 1933 bis 1945 im Amateurfilm“ am 25.03.2025 in Brakel

Statement Prof. Dr. Markus Köster:
Leiter des LWL-Medienzentrums für Westfalen
www.lwl-medienzentrum.de

Der Film „Unterm Hakenkreuz“ entführt uns in ein ganzes Menschenalter zurück - in die Geschichte Westfalens der Jahre 1933 bis 1945. Das Jahr 1945 ist und bleibt auch nach acht Jahrzehnten ein Schlüsseldatum deutscher Geschichte. Mit ihm verbindet sich gleichermaßen die Erinnerung an das Leid und die vielen Opfer der letzten Kriegsmonate wie an das Ende der nationalsozialistischen Schreckensherrschaft und den Neubeginn unter demokratischen Vorzeichen. Der Film „Unterm Hakenkreuz“ blickt sozusagen zurück auf den Anfang vom Ende, er beleuchtet das, was zwischen 1933 und 1945 hier in der Region, in Westfalen-Lippe geschah.

Produziert hat ihn das LWL-Medienzentrum für Westfalen mit Sitz eine Kultur- und Bildungseinrichtung Teil des Landschaftsverbandes Westfalen-Lippe mit Sitz in Münster. Zum Auftrag dieser Einrichtung gehört es, Themen aus Geschichte und Gegenwart Westfalens mithilfe von Filmen und anderen Medien für die Bildungsarbeit aufzubereiten. Dazu betreibt das Medienzentrum unter anderem einen eigenen YouTube-Kanal: „Westfalen im Film“ (htttps://westfalen-medien.lwl.org). Häufig basieren die Produktionen auf historischem Filmmaterial aus der Region. Solche Filme sind faszinierend anschauliche Quellen. Sie sind aber keineswegs einfach ‚authentische‘ Zeugnisse der Vergangenheit, sondern immer Inszenierungen, die das gefilmte Geschehen in einer bestimmten Weise deuten und festhalten wollten. Das gilt auch und gerade für die zwölf Jahre der nationalsozialistischen Herrschaft. Trotzdem sind gerade Amateurfilme für diese Jahre eine spannende Quelle. Sie enthüllen, wie sich der Nationalsozialismus seinen Weg bis in die privaten Räume der Familie bahnte – und zugleich dokumentieren sie, wie scheinbar normal das Leben im „Dritten Reich“ trotzdem weiterging.
Alle Filme der Dokumentation „Unterm Hakenkreuz“ stammen aus dem Filmarchiv des LWL-Medienzentrums für Westfalen. Dort sind insgesamt mehr als 200 private Filmdokumente aus der Zeit zwischen 1933 und 1945 überliefert. Nach intensiver Sichtung sind in die Dokumentation „Unterm Hakenkreuz“ am Ende rund 60 Filme eingeflossen. Bei der Recherche zeigten sich natürlich auch Leerstellen. Denn die privaten Filmkameras sollten und durften nicht überall dabei sein. So blenden die überlieferten Amateurfilme insbesondere die Terrormaßnahmen des Regimes und die Verfolgung von Politisch Andersdenkenden, Sinti und Roma, Menschen mit Behinderungen und vor allem Jüdinnen und Juden, nahezu komplett aus.

Insgesamt ist die Doku rund 70 Minuten lang und sie nähert sich dem Leben „unterm Hakenkreuz“ in 10 thematischen Kapiteln – vom Privaten Glück der ersten Jahre bis zum „Krieg an der Heimatfront“. Nicht zuletzt führt der Film eindringlich vor Augen, was es bedeutet, im Frieden und nicht im Krieg, in Freiheit und nicht in einer Diktatur zu leben: Angesichts der unfriedlichen Gegenwart in Europa und angesichts der in vielen Ländern und auch in Deutschland erkennbaren Tendenzen, grundlegende Prinzipien der Demokratie auszuhebeln oder jedenfalls gering zu schätzen, ist die Erinnerung an die Zeit vor 1945 heute vielleicht wichtiger als je zuvor.