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Datum: 26.05.2015

Ein würdiges zeichen der Erinnerung

Nach rund dreimonatiger Bauzeit wurde die nach modernen Ansprüchen, aber dennoch zum historischen Stadtkern passend, umgestaltete Ostheimer Straße eingeweiht. Ein weiterer erhabener Moment war die Enthüllung des "Schalom-Steins" vor dem Haus Nr. 14 - der ehemaligen Synagoge.

Zu der Feierstunde in der Ostheimer Straße hatten sich zahlreiche Brakeler Bürger, Schüler des Petrus-Legge-Gymnasiums und der Brede, Ratsmitglieder, Planer, ausführende Firmen und Vertreter der Stadt Brakel eingefunden. "Die Ostheimer Straße hat - wie ich finde - an Attraktivität gewonnen", stellte Bürgermeister Hermann Temme in seiner Begrüßung heraus. Nicht nur die Optik überzeuge, sondern auch das taktile Bodenleitsystem für sehbehinderte Menschen. Rund 1.400 Quadratmeter Pflaster "Cheops" der Firma Lintel wurden verlegt und sechs neue LED- Straßenlampen platziert. Zudem konnte durch das Entfernen der Kugelakazien eine neue Sichtachse in Richtung Innenstadt geschaffen werden. Neu angeordnet wurden die 14 vorhandenen Parkplätze. Auch die stark sanierungsbedürftige Treppenanlage zur "Wolfskuhle" erhielt eine Neugestaltung mit Vollblockstufen sowie einem Handlauf aus Edelstahl mit integrierter Beleuchtung. Die Umgestaltung des zweiten Bauabschnittes der Innenstadtgestaltung kostete insgesamt 225.000 Euro und wurde mit 135.000 Euro bezuschusst.

Bürgermeister Hermann Temme dankte allen, die an der Planung und Durchführung dieses Projektes beteiligt waren. Besonderer Dank galt dabei den Anwohnern und Geschäftsleuten, die "den Baulärm und zeitweilige Absperrungen mit viel Verständnis und Geduld hingenommen" haben. Vikar Christian Städter von der katholischen Gemeinde und Pfarrer Volker Walle von der evangelischen Gemeinde spendeten den Segen für die neugestaltete Straße sowie auch für den Schalom-Stein, der weiter vor dem Haus Nr. 14 , dem Gebäude der ehemaligen Synagoge, feierlich enthüllt wurde.

1841 wurde der Grundstein für dieses Gemeindehaus gelegt. "Im Vorderhaus waren Wohnung und Schulräume eingerichtet, im Hinterhaus befand sich die Synagoge, ein sich über zwei Etagen erstreckender Sakralbau", so Bürgermeister Temme. 156 Personen jüdischen Glaubens hätten 1847 in Brakel gelebt. In der Nacht vom 9. auf den 10. November 1938 wurde die Synagoge verwüstet. Wenn man dieses Tages gedenke, dann müsse man an das dunkelste Kapitel der deutschen Geschichte erinnern, "an einen Zivilisationsbruch, den viele nicht für vorstellbar gehalten hatten". Sich solchen Gedanken zu stellen sei anstrengend und schmerzhaft. Aber es sei notwendig. Temme: "Wir, die Nicht-Opfer, sind es den Opfern und ihren Angehörigen schuldig". Und weiter: "Freiheit und Demokratie leben davon, dass alle Bürger die gleiche Achtung finden, ganz gleich, welcher Ethnie oder Religionsgemeinschaft sie angehören". Die Erinnerung an den 9. November 1938 zeige uns, wohin Rassenwahn führe. Die Erinnerung an einen anderen 9. November, den des Jahres 1989, zeige uns, wie wichtig den Menschen Freiheit und Selbstbestimmung sein können. Daher könne die Botschaft nur lauten, den Anfängen jeglicher Diskriminierung zu wehren und uns für die Menschenrechte einzusetzen.

Zur feierlichen Enthüllung des Schalom-Steins waren auch Tanja Rubens, Vorsitzende der Jüdischen Kultusgemeinde Paderborn-Höxter-Soest, und ihr Mann eingeladen. "Der Stein, als Symbol der Stärke, soll daran erinnern, dass hier in Brakel eine jüdische Gemeinde lebte. Er soll ihren Enkelkindern Stärke und Mut geben für die Zukunft", führte Shmuel Rubens aus. Zur Enthüllung des Schalom-Steins las er den 30. Psalm (Tempelweihe).

Tanja Rubens sprach das Friedensgebet, das stets zu Beginn des Sabbats am Freitagabend gebetet wird: "Er, der Frieden schafft in seinen Höhen, Er schaffe Frieden unter uns und über ganz Israel. Und wird sprechen, Amen".

Bei der Gestaltung des Schalom-Steins war das Ehepaar Rubens mit eingebunden. "Das ist sehr zu schätzen", zeigte sich Tanja Rubens dankbar und betonte: "Der Stein ist ein sichtbares und würdiges Zeichen". Sie sei sich sicher, dass dies eine Bereicherung für die Stadt darstelle.