Dank an Eheleute Mus: Ehrenamtlicher Einsatz für die Kapelle
Rund 9 Jahre lang kümmerte sich das Ehepaar Mus ehrenamtlich um die kleine Kapelle an der Kriegerehrung im „Hanekamp“. Sie sorgten für Sauberkeit in und um die Kapelle, Kerzen- und frischen Blumenschmuck. Dieter Mus übernahm aber noch eine weitere besondere Aufgabe während dieser Zeit. In gewissen Abständen schlug er die Seiten des in der Kapelle befindlichen Gedenkbuches um, in dem die Namen der Gefallenen der Stadt Brakel des ersten und zweiten Weltkrieges handschriftlich verzeichnet sind.
„Ehrenamtliches Wirken findet meist im Stillen statt und wir nehmen nur die Ergebnisse wahr“
„Ich selber habe seinerzeit in diesem Buch den Namen meines Großvaters, der im Krieg gefallen war, gesucht und finden können“, berichtet Dieter Mus. Josef Mus, der als junger „Bierbrauer“ von Kohlstädt nach Brakel gezogen war, fiel im ersten Weltkrieg 1916 in Frankreich. „Den Namen so schnell finden zu können, hat den Wunsch in mir bestärkt, mich um das Gedenkbuch der Gefallenen zu kümmern“, erklärt Mus. So schlug er in regelmäßigen Abständen die Buchseiten um, damit immer die Namen der Gefallenen des aktuellen Datums hinter der verschlossenen Glastür der Kapelle sichtbar waren. „So haben auch andere Angehörige die Möglichkeit, die Namen ihrer Verstorbenen zu finden“, erklärt Mus. Manchmal habe er die Buchseiten alle zwei Tage umblättern müssen, da viele Personen an einem Tag gefallen und die Buchseiten daher mit unzähligen Namen gefüllt sind. „Es ist ein ganz besonderer Ort mit vielen bekannten Namen hier“, erklärt Mus weiter. Daher ärgere es ihn auch so sehr, dass es immer wieder zu Vandalismus-Schäden in und an der Kapelle komme. Erst kürzlich sei die Spezialscheibe in der Eingangstür dieser Gedenkstätte zerstört worden. Außerdem wurde der Innenraum verwüstet und beschädigt. In den 80er Jahren sei das Gedenkbuch entwendet und im Jahr 2000 der Innenraum der Kapelle mit Feuerlöschpulver verunreinigt worden, so Mus.
Die kleine Kapelle befindet sich im Eigentum der Stadt Brakel, die Patenschaft hat seit dem Jahr 1993 der Bürgerschützenverein 1567 übernommen. 25 Jahre lang kümmerte sich Anne Happ um Kerzen- und Blumenschmuck, anschließend übernahmen Josef und Anna-Maria Brune dieses Ehrenamt. „Ehrenamtliches Wirken findet meist im Stillen statt und wir nehmen nur die Ergebnisse wahr“, so Bürgermeister Hermann Temme. Sich freiwillig mit viel Zeit und Energie um eine Aufgabe zu kümmern, die einem sehr am Herzen liege, sei ohnehin unbezahlbar. Der Bürgermeister dankte dem Ehepaar Mus an der kleinen Brakeler Kapelle für ihren Einsatz. Er hofft, dass es wieder Menschen geben wird, die sich dieser Aufgabe annehmen möchten. „Wir wissen es sehr zu schätzen, wenn derartige ehrenamtliche Tätigkeiten durch unsere Bürgerinnen und Bürger übernommen werden“, so Temme weiter. Dieses bürgerschaftliche Engagement sei für Stadt und Gesellschaft sehr wichtig und wertvoll.
Zum Hintergrund:
Die Kapelle mit der heutigen Grünfläche und die Gedenkanlage, die seit 1925 als „Kriegerehrung“ dem gesamten Gelände ihren Namen gibt, weisen auf zahlreiche Aspekte der Brakeler Stadtgeschichte hin. Die heutige Grünfläche auf der ehemaligen Wall-und Grabenzone war der erste Brakeler Friedhof außerhalb und vor der Stadtmauer, nachdem 1791 das Bestatten auf dem Kirchhof der Pfarrkirche St. Michael untersagt wurde. Letztes Relikt dieses Friedhofs ist die in 2018 außen sanierte Kapelle. Bei der Kapelle, um 1840 errichtet, handelt es sich um einen einjochigen ungewölbten Raum mit Dreiachtelschluss in schlichter neugotischer Form. An den vier Ecken befinden sich Strebepfeiler, das steile Satteldach wurde mit Solling-Sandsteinplatten gedeckt. Die Kapelle diente auch als Friedhofskapelle für die Rieseler Bevölkerung, die damals keinen eigenen Friedhof hatte. In der Kapelle befindet sich seitlich links die Grabplatte für den kath. Pfarrer Friedrich Bruns (1805-1871), der von 1846-1871 Pfarrer in Brakel war. Er wurde hier auf dem Friedhof am Hanekamp bestattet. Seit 1886 wurde der Friedhof am Hanekamp nicht mehr benutzt und in eine öffentliche Grünanlage umgewandelt. Die Christusfigur im zentralen Glasmosaikfenster trägt das Datum 1956 und die Signatur „Aus den Werkstätten August Wagner Berlin“. 1889 vom Ingenieur Friedrich Puhl und dem Kaufmann August Wagner gegründet, entwickelte sich das Unternehmen zum größten und bedeutendsten Hersteller von Glasmosaiken und Glasmalereien mit dem Stammsitz in Berlin-Neukölln, bis schwindende Aufträge zur Liquidation 1969 führten. 1925 wurde das Kriegerehrenmal errichtet, eine Gedenkstätte für die in den Kriegen 1870/71 und 1914-1918 umgekommenen und vermissten Brakeler Soldaten. Im oberen Bereich der Vorderfront brachte man in Großbuchstaben die Inschrift „Die Stadt Brakel ihren im Weltkriege gefallenen Söhnen“ an.