Neue Sozialarbeiterin Gertrud Bouzaima vorgestellt
"Die aktuelle Flüchtlingssituation hat eine Dimension angenommen, die es uns nicht erlaubt, die ehrenamtlichen Helfer allein zu lassen", so Brakels Bürgermeister Hermann Temme. Die Stadt hat nun mit der Caritas einen Kooperationsvertrag geschlossen, um ankommende Flüchtlinge und Asylbewerber zukünftig besser unterstützen zu können. Um sie wird sich ab August die Sozialarbeiterin Gertrud Bouzaima kümmern.
"Die Flüchtlingssituation in Deutschland ist zurzeit eine große Herausforderung für die Gesellschaft und, ganz besonders, für die Flüchtlinge", sagt Bouzaima. Die Bürokratie sei für viele Migranten eine große Hürde, für die auch das Verständnis fehle. "Wichtig ist, dass sie etwas aus ihrer Heimat, sei es ein bestimmtes Ritual oder ein Kochrezept, hier weiterleben können", sagt die Sozialarbeiterin, "so etwas ist notwendig, damit sie sich hier zuhause fühlen können".
Das Interesse für fremde Kulturen besteht bei Bouzaima schon sehr lange: Als Kind habe sie einen dicken Atlas geschenkt bekommen, "seitdem hat mich alles interessiert, was nicht deutsch ist", erzählt sie. Studiert hat die Sozialarbeiterin, die in Beverungen lebt und ursprünglich aus Godelheim stammt, schließlich an der Gesamthochschule in Kassel. Schwerpunkt des Studiums war die Migration. Seit rund 20 Jahren arbeitet sie beim Caritas-Verbund, ab August tritt sie nun ihre Halbtagsstelle als Betreuungskraft für die der Stadt Brakel zugewiesenen Flüchtlinge an.Sozialarbeiterin Gertrud Bouzaima wird sich um folgende Aufgaben kümmern: Koordinierung der integrativen Betreuung im Bereich der Stadt Brakel, unter anderem die Zusammenarbeit mit dem Arbeitskreis ökumenische Flüchtlingshilfe, Zusammenarbeit mit den für die Unterbringung zuständigen Sacharbeitern des Sozialamtes,Beratung nach Eintreffen des Flüchtlings, Hilfestellungen beim Zusammenleben im Wohnheim, Unterstützung bei der gesellschaftlichen Eingewöhnung, beispielsweise Hilfe beim Arztbesuch, Vermittlung von Patenschaften zwischen Bürgern, Kirchen, Vereinen und ausländischen Flüchtlingen, Beratung bei familiären Problemen, insbesondere bei alleinstehenden Frauen, Krisenintervention und gegebenenfalls Einschaltung der Jugendhilfe, Infos über Möglichkeiten der freiwilligen Rückkehr oder Weiterwanderung und Vermittlung an dafür zuständige Stellen (Raphaels-Werk),Entgegennahme von Hinweisen von Anwohnern
Unterstützung erhält sie dabei unter anderem vom Brakeler Arbeitskreis ökumenische Flüchtlingshilfe. "Wir beraten, begleiten und schützen die Flüchtlinge, die in unsere Stadt kommen", erzählt Hans-Georg Harrer. Gerade der letzte Aspekt, das Schützen, werde in dieser Zeit immer wichtiger. "Je mehr Ehrenamtliche dabei helfen, je größer wird der Schutz für die Flüchtlinge und Asylsuchenden", so Harrer.
"Wir haben als Gesellschaft die Verantwortung, diesen Schutz anzubieten", ergänzt Uwe Oeynhausen, ebenfalls Mitglied des örtlichen Arbeitskreises, "dabei handelt es sich um sehr individuelle Aufgaben, die auf uns zukommen". Gemeinsam mit professioneller Hilfe von Sozialarbeiterin Bouzaima wolle der Arbeitskreis in Brakel Pionierarbeit leisten, um eine optimale Betreuung für die Migranten in der Nethestadt leisten zu können.
Zurzeit leben in Brakel 146 Frauen, Männer und Kinder aus 26 Nationen. Bis Ende des Jahres ist mit einem Anstieg auf 200 Flüchtlinge und Asybewerber zu rechnen.