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Gedicht "Die Siebenbrüderbuche"

von Hans Hartmann (*1915 - ?) 

Es steht eine Buche imm Modexer Wald, 
gepflanzt von den Ahnen vor Zeiten.
Der Baum ust verwittert, sehr knarzig und alt.
Die Zweige zum Laubdach sich weinen. 

Der Name der Buche wohl vielen bekannt,
Die stammdicken Äste sind sieben,
drum hatte der Volksmund sie heimisch benannt:
Besonders die Kinder sie liebten. 

Hoch zwischen den Ästen die Bank und ein Tisch, 
rings laubdichte Zweige sich neigen.
Die Sonne scheint warm, der Wind so frisch,
mir ist so ganz seltsam zu eigen. 

Ich steige die Leiter zur Kanzel emport.
Das schöne ist Stille, ist Schweigen. 
Kein Poltern, kein Lärmen dringt hier an das Ohr, 
selbsz Rehe am Waldrand such zeigen. 

Nun sitz ich hier halbträumend, so seltsam es klingt, 
und lausche - ich glaub´zu verstehen
die heimliche Sprache, die dumpf zu mir dringt,
von Zeitenm die kommen und gehen. 

Es ist mir, als ob meine Urahne spricht. 
Erzählt sie aus früheren Tagen
Geschichten und Märchen, von Treue und Pflicht,
von Freuden und Leiden und Plagen? 

Der Baum sah Geschlechter enstehe´s und vergeh´n 
sah hellblonde Mädchen und Knaben.
Sehr viele, die er hier hat spielen geseh´n 
sind schon tot und begraben. 
Alljährlich belaubet der Bauk sich auf´s neu.
Im Spätherbst da fallen die Blätter
auf moosigen Boden wie welkendes Heu, 
ein Spielzeug dem Winde und dem Wetter. 

Oft rasen gewaltige Stürme einher.
Dann knarrt es und ächzt in den Ästen,
doch diese steh´n fest und verbunden zur Wehr?
im Kampf mit den Winden aus Westen. 

So geht es im Leben jahrein und jahraus, 
die Wiege steht nahe der Bahre.
Am Ende der Tage hat jeder sein Haus, 
ob blond oder weiß sind die Haare. 

Ich schreibe mit Worten des Dankes von hier
und wünsche, es mög´uns bewahren
der gütige Schöpfer - dies gilt dir und mir-
vor Unglück und ernsten Gefahren.

Überarbeitet von Reinhard Koch