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Datum: 01.07.2024

Geologische Landesaufnahmen: Seismische Messungen in OWL

Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen (GD NRW) führt im Rahmen der geologischen Landesaufnahme voraussichtlich im Herbst 2024 seismische Messungen in der Region Ostwestfalen-Lippe durch. Die Untersuchungen werden rund sechs bis acht Wochen in Anspruch nehmen und können bereits ab August beginnen. Auch Teile der Großgemeinde Brakel werden durch diese Untersuchungen tangiert.

Ziel der Messungen

Durch die Messungen sollen genauere Informationen über den geologischen Aufbau des tiefen Untergrundes erlangt werden. Denn um das geothermische Potenzial erfolgreich zu erschließen, müssen geeignete Gesteinsformationen vorhanden sein. Von besonderem Interesse sind dabei Kalkstein- und Sandsteinformationen, die potenziell für eine geothermische Nutzung geeignet sein können. Dafür wurden bereits Messungen im Münsterland, im Rheinland und am Niederrhein durchgeführt. Im dritten Quartal 2024 werden seismische Messungen in drei weiteren Regionen Nordrhein-Westfalens, im nördlichen Ruhrgebiet, im Rheinischen Revier und im Osten Kölns, im Gebiet der sogenannten Paffrather Mulde – durchgeführt, um dort die optimalen Messparameter zu ermitteln.

Die Methode

Das Verfahren der Vibrationsseismik wurde eigens dafür entwickelt, möglichst schonend und ohne Bohrungen den tiefen Untergrund zu erkunden. Messfahrzeuge (Vibro-Trucks) senden dafür über eine hydraulisch absenkbare Rüttelplatte Schwingungen in den Untergrund. Die so erzeugten Schallwellen werden durch die verschiedenen Gesteinsschichten unterschiedlich stark reflektiert. An der Erdoberfläche werden die Reflexionen von speziellen Mikrophonen (sogenannten Geophonen) empfangen und gespeichert. Aus den gesammelten Geodaten können Fachleute nach umfangreicher Analyse ein zweidimensionales Abbild des Untergrundes erstellen – ähnlich einem Ultraschallbild.

Die Messungen

Die Vibro-Trucks bewegen sich entlang von Messlinien, an denen im Vorfeld die Geophone ausgelegt wurden. Alle 10 bis 20 Meter halten sie an und schicken für eine bis drei Minuten Schallwellen in den Untergrund. Die Messungen werden von der DMT GmbH & Co. KG ausgeführt.

Das Messgebiet

Sieben Messlinien mit insgesamt rund 300 Kilometern Gesamtlänge sind geplant. Die Strecken verlaufen zwischen Stemwede und Minden, Petershagen und Oelde, Dörentrup und Paderborn, Spenge und Marienmünster, Bad Lippspringe und Höxter, Marienmünster und Borgentreich sowie Lichtenau und Borgentreich.

Information und Betretungserlaubnisse

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter („Permitter“) der IPS Informations- & Planungsservice GmbH werden im Vorfeld der Untersuchungen alle notwendigen Zustimmungen (z. B. Wegerechte) einholen Auch alle relevanten Behörden (z. B. Tiefbau, Verkehr, Natur-, Wasser- und Denkmalschutz) sind eingebunden.

Infrastruktur und Naturschutz

Bei der Planung der Messlinien hat die Sicherheit von Gebäuden und sensibler Infrastruktur vor Ort oberste Priorität. Dazu zählen Brücken, unterirdische Leitungen, Schutzgebiete (Wasser, Natur etc.) und denkmalgeschützte Gebäude. Mit Bodenschwingmessungen kontrollieren und gewährleisten Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter des Begleittrupps, dass die Vibrationen stets unterhalb der festgelegten Normwerte bleiben.

Ablauf der Messungen

Die Permitter suchen alle Eigentümerinnen und Eigentümer von Grundstücken und Immobilien, die im Zuge der Messungen betreten werden sollen, auf. Sie informieren über die Messungen und erfragen die Erlaubnis zum Betreten der  Grundstücke. Rund drei bis vier Teams von Vermessern (je zwei Personen) bewegen sich entlang der geplanten Messlinien und messen die Messpunkte per GPS ein. Zur Markierung der Messpunkte stecken sie einen kleinen Holzpflock mit Nummerierung in die Erde oder markieren die Messpunkte mit Sprühfarbe auf Straßen und Wegen. Nach Beendigung der Messungen entfernen die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter alle Geophone und Pflöcke. Entlang der eingemessenen Pflöcke werden die kabellosen Geophone im Abstand von 10 Metern in möglichst gerade verlaufenden Linien platziert – an Wegrändern, auf Feldern, Wiesen oder auch im Wald. Die eigentliche Seismikmessung mit Vibrationsfahrzeugen findet planmäßig ausschließlich auf Straßen und Wegen statt. Der Konvoi von voraussichtlich drei Messfahrzeugen plus Begleitfahrzeugen und Personal bewegt sich nur langsam vorwärts.

Durch den sehr langsam fahrenden Messtrupp kann es zu kurzzeitigen Verkehrsbehinderungen wie Straßensperrungen oder Staus kommen. Die Schwingungen sind im direkten Umfeld der Messfahrzeuge deutlich spürbar. Die Motorengeräusche nehmen während des Messvorgangs an Lautstärke zu.

Der Geologische Dienst Nordrhein-Westfalen bittet um Verständnis und hofft auf die Unterstützung aus der Bevölkerung. Die Ergebnisse der Untersuchungen werden der Öffentlichkeit frei zur Verfügung gestellt und in den einzelnen Regionen präsentiert.

Für sämtliche Fragen wenden Sie sich bitte an den Permitter Norbert Keppler (mobil: 0155/600 93 209 Email: n.keppler@ips-celle.de)