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04.11.2019
Winterlinde im Generationenpark

NAJU pflanzt Klimabaum

Im Beisein von Bürgermeister Hermann Temme pflanzte die Brakeler NAJU‐Kindergruppe im Brakeler Generationenpark ihren „Klimaschutzbaum “, eine Winterlinde.

Vor einigen Monaten war in den Medien und auch in den Brakeler Tageszeitungen von einer Studie der ETH Zürich zu lesen, die aufzeigt, dass neben der unverzichtbaren Reduktion von Treibhausgasen im persönliche n und gesellschaftlichen Leben, das Pflanzen von Bäumen einen wichtigen Beitrag leistet, um dem Klimawandel entgegenzuwirken, da das Pflanzen von Bäumen eine Möglichkeit ist, mit biologischen Mitteln CO2 aus der Atmosphäre zu binden. Auch wer nur einen Baum pflanzt, trägt daher etwas zum Klimaschutz bei! Diese Information war Ansporn genug, dass Thema „Klimaschutzbaum “ mit der NAJU-Gruppe anzugehen. In der Planungs- und Umsetzungsphase hat die Gruppe dabei freundliche Unterstützung vom der Stadt Brakel bekommen sowie von den Mitarbeitern vom Bauhof Brakel, die das Pflanzloch ausgehoben haben, und von der Firma „Terra Flora “, die den Baum zu einem günstigen Preis angeliefert hat.

Seit Sommer 2015 gibt es eine NAJU‐Kindergruppe in Brakel (Jugendverband vom Naturschutzbund NABU), der etwa 15 Kinder aus der Grundschule beziehungsweise der Sekundarstufe I angehören. Das Thema Umwelt ‐ und Klimaschutz bestimmt das gesamte Jahresprogramm der NAJU‐Gruppe und begleitet die wöchentlichen Gruppenstunden wie ein roter Faden. Durch vielfältige Aktivitäten und positive Naturerlebnisse soll den Kindern die lebenswichtige Bedeutung des Umwelt‐ und Klimaschutzes nahegebracht werden. Das betrifft das regionale und konkrete Tun im persönlichen Handeln hier vor Ort, aber auch das Bewusstsein für globale Themen und Herausforderungen wie fairen Welthandel und Klimaschutz, das Thema der Jugend im Jahr 2019, wenn man an die Bewegung „Fridays for future “ denkt.

Die NAJU-Gruppe hat sich entschieden, im Brakeler Generationenpark eine Winterlinde (Tilia cordata) als ihren "Klimaschutzbaum" zu pflanzen. Zum Generationenpark hat die NAJU-Gruppe eine besondere Beziehung, weil die Gruppe momentan dabei ist, durch den Lehrpfad „Natur in der Stadt“ das gelungene generationenübergreifende Projekt der Stadt Brakel um den Aspekt des Umweltschutzes zu erweitern.
Bisher wurden Nistkästen und Fledermauskästen aufgehängt. Auch ein Wildbienenhaus wurde von der Gruppe aufgestellt. Daher war der Standort schnell gefunden. Die Wahl einer Baumart bedurfte weit mehr Vorüberlegungen. Die Winterlinde ist der "Baum des Jahres" 2016. Der Titel "Baum des Jahres" wird von der gleichnamigen Stiftung, in dessen Kuratorium auch der NABU vertreten ist, seit 1989 an heimische Bäume vergeben, um bei der Bevölkerung das Wissen über Bäume zu vertiefen. Die Winterlinde wird bis zu 25 Meter hoch und kann ein Alter von 1000 Jahren erreichen. Sie ist die am spätesten im Jahr blühende heimische Baumart, blüht noch etwa zwei Wochen später als die Sommerlinde und bietet so mit ihren Blüten Insekten zu einem Zeitpunkt im Jahr Nahrung, wenn kein anderer heimischer Baum mehr blüht. Vor allem bei Honigbienen, Wildbienen, Hummeln und Schwebfliegen, aber auch bei Tag- und Nachtfaltern und bei verschiedenen Käferarten ist der Blütennektar der Linde beliebt. Der Lindenblütenspanner ernährt sich im Raupenstadium fast ausschließlich von den Blüten der Linde. Die Blätter der Linde werden von den Raupen verschiedener Schmetterlingsarten gefressen. Das Lindenlaub ist auch deshalb von ökologischer Bedeutung, weil es sich besonders rasch zersetzt und so nährstoffarmen Boden verbessert. Die nussartigen Früchte der Winterlinde dienen verschiedenen Vogelarten wie Kernbeißer, Grünling, Fichtenkreuzschnabel, Buchfink, Bergfink, Kleiber, Kohl- und Tannenmeise als Nahrung. Auch Feuerwanzen saugen gerne an den Früchten. Alte Linden bilden oft Faulhöhlen, welche wichtige Lebensstätten für Fledermäuse und höhlenbrütende Vogel - und Eulenarten sind. Dazu gehören verschiedene Meisenarten, Kleiber, Gartenrotschwanz und Waldkauz. Auch holzbesiedelnde Käferarten wie etwa der Lindenprachtkäfer finden in alten Linden einen Lebensraum. Spechte, insbesondere Buntspechte hacken gerne die Rinde jüngerer Linden auf und lecken den Lindensaft. Aufgrund dieser vielfältigen Verflechtungen (Blüten, Blätter, Früchte und Holzstrukturen) zu verschiedenen Tierarten trägt die Winterlinde zum Erhalt und zur Steigerung der natürlichen biologischen Vielfalt bei. Durch ihren recht sturmfesten Stand sowie ihre relativ gute Wärme und Trockenheitstoleranz kommt die Winterlinde mit den Auswirkungen der Klimaveränderungen vergleichsweise gut zurecht und wird daher im Zuge des Klimawandels in Zukunft in Wäldern, Dörfern,Städten, Alleen und Parks eine größere Rolle spielen.

Eine Linde ist aber nicht nur aus biologischen und klimaschützenden Gründen von Bedeutung, sondern sie ist auch kulturell betrachtet ein sehr traditionsreicher Baum, der früher auf vielen Dorfplätzen stand und unter dessen grünem Dach sich die Menschen getroffen haben. Unter Linden wurde getanzt und gefeiert, im Schatten einer Linde gab es Trauungen und Versammlungen, hier wurden Nachrichten weitergegeben und hier wurde Gericht gehalten. Auch Verliebte trafen sich gerne unter Linden. Von Linden als Mittelpunkt des mittelalterlichen Dorflebens erzählen zahlreiche Geschichten und Lieder. Man denke nur an das bekannte Volkslied "Kein schöner Land in dieser Zeit". Die Melodie basiert auf einer Volksweise aus dem 18. Jahrhundert, die von Wilhelm von Zuccalmaglio bearbeitet und mit einem eigenen Text versehen 1840 veröffentlicht wurde. Heute ist das Lied eines der bekanntesten Volkslieder. Die erste Strophe lautet: "Kein schöner Land in dieser Zeit, als hier das unsre weit und breit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit, wo wir uns finden wohl unter Linden zur Abendzeit."

Auf den genannten klimaschützenden, biologischen und kulturell-traditionellen Hintergründen basierend, ist gerade das Pflanzen einer Linde ein schönes und zugleich optimistisches Symbol für die NAJU-Gruppe und für alle, die sich mit den NAJU-Kindern und ihren Nachkommen unter ihrer Linde treffen möchten, auch noch in 1000 Jahren.

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